Interpretation eines Falschfarbenkomposits

Begründungen für das "Was ist wo?" sind der eigentliche Inhalt einer Interpretation.

An was soll man bei einer Interpretation denken?
Darauf gibt es keine Antwort, denn in jeder Landschaft steckt eine Eigenart, die erst entdeckt werden muss:
- Acker- oder Waldnutzung ist stark vom Untergrund abhängig, und von dem was der Landwirt auf dem Markt verkaufen kann.
- Auf schlechten Böden gibt es häufig Brachflächen oder Weideflächen.
- Waldnutzung ist oft in benachteiligten Lagen wie an steilen Hängen oder auf überflutungsgefährdeten Flächen oder auf steinigen Böden zu finden.
- Industrie- und Siedlungsflächen bevorzugen ebene Flächen und eine gute Infrastruktur, aber auch historische Gründe können die Wahl einer Siedlungsfläche begründen.

Landsat 7 vom 13.9.1999, (RGB=543), 50m Auflösung (also verkleinert)
Mouseover zeigt die Skizze

Dieses Gebiet am nördlichen Alpenrand wurde von der Eiszeit geprägt. Die Eisströme (dunkelblau) hobelten den Rücken der gefalteten Molasse ab, schufen die breiten Täler mit den heutigen Mooren, schoben sich auf einen Molasse-Rücken im Norden und schufen dabei das Drumlinfeld bei Eberfing, daneben das Toteisfeld der Osterseen. Von den Molasserücken blieben nur mehr die harten Ränder (in der Skizze grün) übrig.
Die Seen haben sehr unterschiedlichen Charakter: Der Kochelsee entstand an einem Eisbruch, der Staffel- und der Riegsee liegen in einer Mulde des Murnauer Molasse-Trogs, die Osterseen liegen in einem Toteisfeld. Der Starnberger See am Nordrand ist ein typisches Zungenbecken am Ende der ehemaligen Gletscher.
Die im Bild sichtbare Landnutzung ist geprägt von der dominierenden Grünlandwirtschaft (hellgrün) und großen Waldflächen, zumeist Nadelwald (dunkelgrün). Die Wälder dominieren in den benachteiligten Gebieten (Moore der Toteisgebiete und des Drumlinfeldes, Abhänge des Gebirges und der gefalteten Molasse). Die nicht genutzten Moore (zumeist Schutzgebiete) erscheinen in diesem Komposit als rötlich-braune Flächen, die genutzten Streuwiesen-Flächen erscheinen rosarot.
Den Grad der Vitalität der Vegetation erkennt man an der Helligkeit der Grünkomponente. (Bei der NDVI-Karte ist die Farbfolge im Grün umgekehrt!)

Die Siedlungen zeigen sich in der Farbe Lila. Die Entstehung dieser Siedlungen ist aus dem Bild nur teilweise abzulesen: Murnau und Weilheim liegen an einer wichtigen N-S-Verkehrstrasse von München nach Garmisch. Die Orte Peißenberg und Penzberg sind viel jünger, sie entwickelten sich mit dem Abbau der Pechkohle am Rande der gefalteten Molasse. In der Zeit der Elektrifizierung der südbayerischen Bahnlinien spielte dieser Bergbau eine große Rolle. Heute ist der Bergbau eingestellt. Nur in Penzberg (am nördlichen Ortsrand im Wald) entwickelte sich ein wichtiger Standort der Pharma-Industrie.