 Interpretation
eines Echtfarbenkomposits
Walchensee (oben) und Kochelsee (unten)
 Echtfarbenbild
der Umgebung des ZUK vom 13.9.1999, Landsat 7 Blick nach Süden
(oben), damit das Relief vom Auge richtig erkannt wird. Mouseover
zeigt die Skizze im panchromatischen Bild
Hier haben wir das Komposit RGB=(321)
von Landsat 7 am 13.9.1999, ein Sonnentag im Frühherbst. Es wurde
berichtet, dass es vor dem Aufnahmezeitpunkt eine längere Wärmeperiode
gegeben hat. Wichtig: Das Bild ist um 180 Grad gedreht, oben
ist also Süden.
Was ist wo? Die Beschreibung einer
Verteilung einzelner Farbflächen wäre sehr langweilig. Außerdem
ist diese Beschreibung unnötig, dazu sieht man ja die Karte. Die
Begründungen für das "Was ist wo?" sind der
eigentliche Inhalt einer Interpretation.
Man sucht zuerst Auffälligkeiten,
die man dann zu erklären versucht. Am besten ist es, wenn man Kanal
4 oder den panchromatischen Kanal als Grundlage für eine Skizze
benutzt.
Man versucht wichtige Strukturen
zu erkennen und zu erklären. Damit ist eigentlich dann die wichtigste
Arbeit geleistet. Etwas Literaturarbeit ist hierfür notwendig.
1. Die Eiszeit ist noch heute
sichtbar. Das Becken des Walchensee ist eine geotektonische
Senke. Während der Eiszeiten ist der Inngletscher übergelaufen und
hat diese Senke als Bett benutzt und überformt. Der Gletscher stürzte
am Gebirgsrand ab (Gletscherbruch) und vertiefte dabei das Kochelsee-Becken.
Hier kam ein weiterer Gletscher aus dem Loisachtal (von rechts)
dazu. Es entstand östlich (linke blaue Linie) eine markante Seitenmoräne,
die heute zumeist Nadelwald trägt. Der ehemalige Gletschersee
sammelte randliche Schmelzwässer. Die Feinmaterialien lagerten sich
darin in mächtigen Schichten ab. Der breite Untergrund des Loisachtales
ist Grundmoräne bzw. Schotterfläche der ehemaligen Gletscher bzw.
Gletscherbäche. Die heutigen Grundwasserströme in diesem Kiesuntergrund
spielen für die Trinkwasserversorgung für München eine wichtige
Rolle.
2. Die Landschaft am Kochelsee,
eine besondere Kulturlandschaft. Die Gipfel der nördlichen
Kalkalpen mit Höhen um 1800m, der Walchensee in 800m Höhe, der Kochelsee
in 600m Höhe und das breite Talbecken der Loisach-Moore bestimmten
die Besiedlung dieses Raumes. Als im Jahr 739 das Benediktiner-Kloster
Benediktbeuern gegründet wurde, da spielten diese Kontraste schon
eine sehr große Rolle. Die gelbe linke Linie war für die Klostergründung
ebenso wichtig wie für den Bahnbau in der Neuzeit. An der gelben
Linie grenzt das Loisachmoor an die Schwemmkegel der Wildbäche (dunkelgrün).
Auf den Schwemmkegeln führt die Straße (hellgrün) von Bayern über
Benediktbeuern, Kochel, Walchensee, Innsbruck nach Südtirol, dort
hatte das Kloster im Mittelalter große Ländereien. Der Bahnbau im
19.Jahrh. (=gelbe Linie) suchte wieder diese Trasse, auch wenn der
Zug in Kochel endet. Erst die junge Autobahn München-Garmisch (hellgrün)
benutzt die andere, die westliche Talseite. Das Loisachmoor war
im Mittelalter unüberwindlich, es sicherte das Kloster gegen Westen.
Außerdem wird berichtet, dass die Lage des Klosters einen besonders
schönen Blick auf die österreichischen Berge erlaubt, die über die
Walchensee gut zu sehen sind. Für den Tourismus spielt das auch
heute eine wichtige Rolle. Das Kloster nutzte die fruchtbaren
Böden auf den Schwemmkegeln für die Landwirtschaft. Zwei Meierhöfe
dienten der Entwicklung der landwirtschaftlichen Kulturtechnik im
Mittelalter. Das Problem der Wildbäche (Lainbach) ist auch heute
noch nicht ganz gelöst, die Hochwassergefahr ist durch Flussumlenkung
nicht beseitigt (dunkelgrün). Das Problem sind die Feinmaterialien
des ehemaligen Gletschersees, die Wildbäche erodieren es und lagern
es auf den Schwemmfächern ab. Gewitter an der Benediktenwand können
in sehr kurzer Zeit zu Katastrophen führen. Die Hochwassergefahr
entlang der Loisach ist erheblich. Das Tal ist so flach, dass das
Wasser nur langsam ablaufen kann. Ohne große Entwässerungsarbeiten
nach 1904 wären die Gebiete östlich der Loisach bis zum "ZUK"
in BB auch heute noch Moorflächen. Das Gebiet westlich der gelben
Linie bis zur Loisach wurde für den Ackerbau gewonnen. Heute wird
die Fläche ausschließlich als Grünland genutzt und soll wieder renaturiert
werden. Man möchte heute die alte Nutzung als Streuwiesen (Mähgut
als Einstreu im Stall) wieder ausdehnen. Die unterschiedlichen Stufen
beim "Hellgrün" zeigen die Differenzierungen bei der Nutzung
des Grünlands: Weidenutzung, Mähwiesen. Rotbraun die "Streuwiesen".
Die erhaltenen Hochmoore (dunkles Braun) westlich der Loisach stehen
unter Naturschutz.

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